„Die Arbeitslosenzahlen trotzen der Konjunkturflaute“, so lautete kürzlich die Meldung eines deutschen Nachrichtensenders. Volkswirtschaftlich gesehen ist die Arbeitslosenquote ein sog. Spätindikator. Doch vergleicht man die Vorjahreszeiträume miteinander, wird aus dem volkswirtschaftlichen Spätindikator ein kleines „Konjunkturbarometer“. Insofern ist es wichtig zu wissen, dass mit der oberen Schlagzeile die sog. „saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen“ gemeint sind.

SaisonarbeitIn dieser Zahl werden die saisonbedingten Entlassungen im Bau- und Gaststättengewerbe herausgerechnet (hier: Wintermonate). Vorteil dieser saisonbereinigten Arbeitslosenzahl ist, dass Trends für die Konjunktur abgelesen werden können.

Der Grundgedanke hierzu lautet: Arbeitslosenzahlen verhalten sich in gewissen Zyklen (z.B. Monaten) ähnlich. So steigt i.d.R. in den Wintermonaten die Zahl der Erwerbslosen.  Als aktuelles Beispiel können die kürzlich veröffentlichten Zahlen aus dem Februar 2013 herangezogen werden, die Arbeitslosenquote in Deutschland stieg im Feb. 2013 um 20 Tsd. auf rund 3,16 Mio. Menschen. Verglichen mit dem Durchschnitt der drei Vorjahre, ist der Anstieg nur halb so stark. Aus dieser Information lässt sich folgendes ableiten:

Der erwartete Anstieg der Arbeitslosenzahlen ist nicht so stark angestiegen, wie in den Vorjahren. Somit hat sich die Konjunktur besser, als in den jeweiligen Vorjahreszeiträumen, entwickelt.

Warum sind Arbeitslosenzahlen ein Spätindikator, wenn ich doch auf die aktuelle Konjunkturlage schließen kann? Das liegt am „Charakter“ des Arbeitsmarktes, dieser reagiert immer erst mit Zeitverzug auf eine schwächere Konjunkturlage. Deutlich wird dieser Zusammenhang durch die Überlegung, dass Unternehmen zunächst bestehende Aufträge abarbeiten bevor sie Mitarbeiter entlassen.

Dennoch lassen sich, wie oben beschrieben, gleiche Zeiträume (Monate) in verschiedenen Jahren untersuchen und miteinander vergleichen. Die Wertigkeit dieser Vergleiche ist allerdings mit etwas Vorsicht zu genießen. So kann die Arbeitslosenzahl, durch statistisches hinzurechen bzw. herausrechnen, „gestaltet“ werden. Beispielsweise werden die Unterbeschäftigten Arbeitnehmer aus der Anzahl der Arbeitslosen in Deutschland herausgerechnet.

Somit kann folgendes festgehalten werden:

Arbeitslosenzahlen sind isoliert kein Konjunkturindikator, da der Arbeitsmarkt mit Zeitverzögerung auf eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse reagiert. Dennoch lassen sich die saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen dazu nutzen, einen Trend abzulesen. Vorrausetzung dafür ist, dass die verglichenen Zyklen gleich sind z.B. aktueller Monat mit dem jeweiligen Vorjahresmonat. Bei der Bewertung der Vergleichsergebnisse ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Arbeitslosenzahlen, seitens der Behörden, „gestaltet“ werden können.

Kommentare sind geschlossen.