Die meisten Menschen kennen die Situation: ‚Man verlässt den eigenen Währungsraum und rechnet plötzlich zwischen zwei Währungen um. Was kostet das schöne Teil auf dem Markt oder im Laden denn in meiner Währung? – Oh das ist günstig, nehm‘ ich mit.‘ War es denn wirklich günstig oder hat uns die andere Währung vielleicht ausgetrickst?

Die Kaufkraft der anderen Währung mag anders sein, der Preis war möglicherweise für den fremden Ort überteuert. Der Unterschied der Kaufkraft in der unbekannten Währung lässt den Reisenden jedoch zum Unwissenden Einkäufer werden. Möglicherweise hatte man überhaupt keine Chance diese Unterschiede am ersten Tag bereits zu kennen. Der Wechselkurs kann sich auch zwischen Umtausch vor Reiseantritt und dem aktuellen Tag verändert haben. Im Urlaub bei Snacks und Mitbringseln stellt dies kein Problem dar. Anders verhält es sich bei großen Exporten und Importen. Eine Währungsveränderung im kleinen Rahmen kann dort bereits jeglichen Gewinn auffressen.

(c) by Markus Volk 2013
(c) by Markus Volk 2013

Nehmen wir nun an, es wird der Import von 1000 Stück von Ware X aus einem kleinen Land Südostasiens geplant. Die Währung dieses Landes ist frei konvertierbar, die Wechselkurse bewegen sich also nach den Marktverhältnissen. Unter normalen Bedingungen waren in der Vergangenheit Schwankungen in einer Bandbreite von 5% um einen ermittelten Durchschnittskurs zu beobachten. Dieser Durchschnittskurs wurde als Basis zur Preiskalkulation genutzt. Die Marge beim Weiterverkauf Produkte dieser Produktgruppe liegt im Normalfall bei 7% nach Einfuhrkosten, Zöllen und Steuern. Der anfallende Kostenanteil für Lagerung, Abwicklung etc. inklusive aller geplanter Kosten liegt bei 3%, diese stets anfallenden Kosten müssen aus der Marge gedeckt werden. Es verbleiben also lediglich 4% möglicher Überschuss.

Die 4% möglicher Überschuss aus diesem Geschäft könnten im Idealfall also bis zu 9% werden, wenn der Kurs der fremden Währung gegenüber dem Euro maximal innerhalb des erwarteten Rahmen sinkt. Steigt die Währung jedoch auf den maximal zu erwartenden Wert entsprechend der Beobachtung, so wäre 1% Verlust in dieser Transaktion die Folge.

Nehmen wir ferner an, der Zeitraum zwischen Vertragsanschluss und Zahlung beträgt fünf Wochen. Die Kursentwicklung Währung A zum Euro läuft wie folgt:

 

Woche 1: 2% über Durchschnittskurs (D+2%)

Woche 2: 1% über Durchschnittskurs (D+1%)

Woche 3: 2% unter Durchschnittskurs (D-2%)

Woche 4: 1% unter Durchschnittskurs (D-1%)

Woche 5: 1 % über Durchschnittskurs (D+1%)

 

Ein frühzeitiger Umtausch (oder Fixierung des Kurses als Absicherung) in Woche 1 hätte somit lediglich 2% Überschuss erzeugt. Ein idealer Zeitpunkt in Woche 3 hätte Überschuss von 6% bedeutet. In Woche 5, also zum Lieferzeitpunkt wären 3% übrig geblieben.

Wann hätte man die Währung also absichern oder umtauschen müssen? Auf den ersten Blick erscheint Woche 3 als die perfekte Wahl. Andererseits konnte der Trend jedoch in Woche 3 auch so interpretiert werden, dass in Woche 4 eine weitere Entwicklung auf 2,5% oder 3% unter Durchschnittskurs möglich gewesen wären. Welche Tendenz der Importeur erwartet haben könnte ist individuell unterschiedlich. Ein kundiger Beobachter der Währungsentwicklung hätte gegen Ende der Woche 3 oder Beginn der Woche 4 den Umtausch durchgeführt und somit 5% oder gar die hier maximal möglichen 6% Überschuss erreicht.

Im Falle einer nicht möglichen, oder nicht gewünschten Konversion des Betrages in die Zielwährung vor dem Zeitpunkt der Zahlung wären Absicherungsinstrumente auf Währungen möglich gewesen. So hätte man den Devisenkauf „forward“ durchführen können, um sich den Kurs zu sichern. Andererseits wäre die Nutzung eines standardisierten „futures“ als eine Art Währungskursversicherung möglich gewesen. Die Entscheidung über den Zeitpunkt einer solchen Absicherung kann zu Beginn fallen oder später aufgrund der Währungstrends.

Wie soll man also entscheiden in dieser Situation? – Die Antwort ist einfach und zugleich komplex, es hängt von allen relevanten Währungstrends in diesem Zeitraum ab. Eine Prognose für das entsprechende Währungspaar sollte dabei möglichst viele Einflussfaktoren berücksichtigen, nicht lediglich die klassischen „Erfahrungswerte“ aus vorangegangenen Geschäften. Faktoren wie die politische Situation und Wirtschaftsentwicklungen beeinflussender Regionen sind dabei zu berücksichtigen.

Sobald aus dem Währungspaar eine Kombination von mehreren Währungen wird, beispielsweise Kauf in Fremdwährung A, Weiterverarbeitung (inkl. Kosten) im Euroraum und Export in Währungsraum B, wird die Prognose komplexer. In solchen Fällen kann eine Berechnung als Grundlage für die Prognose über ein Währungsdreieck erfolgen. Das Währungsdreieck als Instrument der Planung von Währungsrisiken und Chancen kann dabei von externen Experten auf allgemeiner Basis erfolgen, losgelöst vom Grundgeschäft, dessen Zahlung abgesichert werden soll.

 

Das Währungsdreieck als Instrument  funktioniert sowohl in einer Leitwährungsstruktur, wie auch bei freien Wechselkursen. Letztere Alternative birgt dabei diverse Risiken (Fehlermöglichkeiten) für Neuanwender und sollte erst bei vollständigem Verständnis dafür eingesetzt werden.

 

Bisherige Teile:

Währungen – Teil 1: Geschichte

Währungen – Teil 2: Währungen als Abbild der Wirtschaft von Ländern

Währungen – Teil 3: Inflation und Wirtschaftswachstum

Kommentare sind geschlossen.