Während zu Zeiten vor Erfindung des Buchdruckes Wissen nur langsam, durch handschriftliche Kopien oder menschliches Lernen weiter gegeben wurde, hat sich diese Weitergabe von Wissen stets beschleunigt. Die Beschleunigung lässt Wissensmonopole schneller erodieren, als vor der jeweiligen neuen Weitergabe-Technik. Diese Techniken zur Weitergabe haben sich im Verlauf der letzten drei Dekaden in immer kürzeren Innovationszyklen verändert. In den 1980er Jahren waren Fachzeitschriften und Bücher noch schnelle Wege. Später übernahm das Internet diese Funktion in mehr oder weniger organisierten Formen im Laufe der 1990er Jahre. Die Entwicklung der Blogosphäre mit Wissensinhalten, im Sinne verwertbaren Wissens, stellte die nächste Revolution dar. Die oligopolistische Struktur von Wissensangeboten wurde durchbrochen. Kleine und kleinste Anbieter von Wissen und zeigen sich in nicht mehr überschaubarer Masse online. Die letzte Beschleunigung von Wissensverbreitung bisher ergab sich in der Verbreitung von On-Demand-Publishing und Ebooks.

Im Zuge von Informationsüberflutung in der modernen Informationsgesellschaft entwickelt sich eine Tendenz: Von Suche nach Wissen verschiebt sich der Fokus zur Filterung von Wissen nach Relevanz.

Die Fähigkeit die richtigen Informationen aus der verfügbaren Masse zu isolieren und zielgerichtet verwertbar zu machen, gewinnt an Bedeutung. Diese Kenntnis wird nur gering systematisch ausgebildet und gehört zu den bedeutendsten Vorteilen der sogenannten „digital natives“ der modernen Informationsgesellschaft. Die immer stärker mobilisierte Informationsgesellschaft zeigt sich häufig von ihren eignen Möglichkeiten überfordert. Ordnung wird zur Mangelware und zum begehrten Geschäftsmodell, nicht zuletzt repräsentiert durch Unternehmen wie Google oder Anbietern von Spezialsuchmaschinen.

Schnelle Informationszyklen bedeuten eine kürzer werdende Halbwertzeit des Wissens, der Zeit in der der Wert bestehenden Wissens sich halbiert. Der scheinbar einfachste Weg wäre es, sich stets den neuesten Veröffentlichungen zuzuwenden. Das Risiko einfach wieder-veröffentlichtes altes Wissen als neu aufzunehmen würde so akzeptiert. Wie lässt sich das Paradoxon aus begrenzter Suchzeit als Ressource und unüberschaubaren Mengen neuer Informationen lösen? Antworten bieten Eingrenzungen nach Relevanz und Entscheidungssystematiken wie mathematische Entscheidungsbäume. Suchmethoden bewegen sich in der Praxis der „digital natives“ stets in einem Spannungsfeld analytische Methode und erfahrungsbasierter Kunst des Umgangs mit den neuen Medien.

Die Ergebnisse von Suchen bleiben mit Problematiken von Zuverlässigkeiten der Quellen behaftet. Wieso ist ein Blog eine vertrauenswürdige Quelle? Ein Blick auf die Autoren mag dabei hilfreich sein. Wer sind die Autoren, welcher Intention folgt die Veröffentlichung? Haben die Autoren einen entsprechenden fachlichen Hintergrund? Und zuletzt, an wen richtet sich die Quelle? Die Zielgruppe bestimmt häufig die Detailtiefe von Veröffentlichungen. Von besonderer Bedeutung sind auch Veröffentlichungsdatum und der verstrichene Zeitraum. Manches Wissen bleibt länger aktuell, während zu anderen Themenkomplexen häufigere Updates des aktuellen Wissensstandes erfolgen sollten. Der Leser moderner schneller Veröffentlichungsmedien (inklusive traditioneller Zeitschriften) muss sich stets bewusst sein, ob es sich um ein schnell veränderliches oder tendenziell langsames Gebiet handelt.

In diesem Sinne ist die Kenntnis über Suchmethoden und das Erkennen von Relevanz für die eigene Arbeit zu den wichtigsten Faktoren von Wissensmanagement in modernen Unternehmen geworden. Diejenigen, die diesen Trend nicht ernst genommen haben, laufen Gefahr zu Dinosauriern zu werden. Alte „das machen wir schon immer so“-Methoden bringen eine reale Gefahr des Aussterbens für Unternehmen mit.

Effizientes Erkennen von Relevanz und Zuverlässigkeitsbestimmung gehören zu den Themen der Informationsbeschaffung, als bedeutendem Betätigungsfeld.

 


 

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Zur archimedischen Schraube:
http://de.wikipedia.org/wiki/Archimedische_Schraube

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